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Ost und Gemüse
  • 24.10.2013

Die Appetitmacher austricksen

Längst wissen wir, dass neben dem Hunger viele andere Einflüsse aus der Umgebung unser Essverhalten steuern. Ernährungspsychologen erforschen diese Umwelteinflüsse seit vielen Jahren. Sie sind dabei auf erstaunliche Ergebnisse gekommen. Prof. Dr. Nanette Stöbele-Benschop vom Lehrstuhl für molekulare und angewandte Ernährungspsychologie an der Universität Stuttgart-Hohenheim stellte zum Beispiel fest, dass Menschen, wenn sie außer Haus essen, größere Portionen essen als im eigenen Heim. So soll die Pizza beim Italiener besser schmecken als daheim oder im klassisch deutschen Restaurant, selbst wenn es die gleiche Pizza ist. Die Örtlichkeit beeinflusst also in hohem Maße unsere Ess-Entscheidungen.

Ebenso ist ausschlaggebend, wer mit uns am Tisch sitzt. Je nach Sympathie der anderen Essensteilnehmer essen wir mehr oder weniger. Allein die Gesellschaft am Esstisch bestimmt zu 40 Prozent unser Essverhalten, so die Erkenntnisse der Ernährungspsychologin aus Stuttgart-Hohenheim.

Kleine Teller helfen beim Abnehmen

Die Produzenten und Vertreiber von Lebensmitteln wissen genau, wie sie ihren Kunden mehr Artikel verkaufen können. Egal ob beim Essen im Restaurant oder beim Verzehr von abgepackten Lebensmitteln: eine größere Portion veranlasst die Kunden mehr zu essen. Kaufen wir Chips in einer XXL-Packung, werden wir wahrscheinlich mehr Chips essen, als aus einer handlich kleinen Packung. Genauso im Restaurant: eine große Portion Spaghetti verführt uns, mehr zu essen. Selbst wenn die Spaghetti auf einem großen Teller angerichtet sind, essen wir mehr, als von einem kleinen Teller. Abnehmwillige sollten deshalb ihre Speisen ganz bewusst auf kleineren Tellern oder Schalen anrichten. Sie tricksen sich so selbst aus und essen weniger.

Auch Farben und Vielfalt machen uns an. Stehen verschiedenartige Speisen auf dem Tisch, möchten wir von allen probieren und essen somit mehr. Ein buntes Arrangement von kleinen Leckereien macht Appetit auf mehr.

Daher der Tipp: Lebensmittel, an denen man sich bedenkenlos satt essen kann, wie Obst und Gemüse in großer Vielfalt anrichten! Paprikastücke in Gelb, Rot und Grün regen zum Essen an. Auch Obst in verschiedenen Farben und Formen macht mehr Appetit als eine einzige Apfelsorte. Dies gilt insbesondere für Kinder, die stärker als Erwachsene auf bunte Anreize reagieren.

Gesundes in greifbarer Nähe

So wie im Supermarkt die Top-Angebote in Kundennähe platziert sind, so können auch wir daheim für die Familienmitglieder gesundes Obst oder Mineralwasser in greifbarer Nähe bereitstellen. Je besser ein Lebensmittel für uns erreichbar ist, umso größer der Impuls zuzugreifen. Daher lohnt es sich, die Lebensmittel im Haushalt ganz bewusst an bestimmten Orten aufzubewahren: Süßigkeiten in das oberste Fach im Küchenschrank und Obst auf den Küchentisch. Eine schöne Obstschale erhöht die Attraktivität und zieht mehr Blicke auf sich als der abgestoßene Teller der Großmutter. Wir können also selbst Anreize schaffen und so beeinflussen, bei welchen Lebensmitteln wir mehr oder weniger zugreifen.

 

Quelle:

  • DGE-Fachtagung zum Thema Adipositas, 11. September 2013, Universität Hohenheim

Autorin: Maria Hufnagl
Bildautorin: Friederike Wöhrlin

Hil 10/13

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