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  • 30.06.2017
Familie am Esstisch

Gemeinsam am Tisch - Der Übergang zur Familienkost

Gegen Ende des ersten Lebensjahres (10. bis 12. Lebensmonat) interessiert sich Ihr Kind immer mehr für das Familienleben. Dann schmecken ihm nach und nach auch die Speisen der Eltern und Geschwister.

Mitessen am Familientisch

Sobald Ihr Kind selbstständig sitzen kann, bekommt es im kippsicheren Hochstuhl am Familientisch seinen Platz. Körperlich ist Ihr Kind so weit entwickelt, dass es immer mehr "richtige" Lebensmittel mitessen kann. Lassen Sie es ruhig ein paar trockene Nudeln, Kartoffel- oder weiche Gemüsestücke von Ihrem Teller stibitzen. Soll es nichts vom Teller der Eltern bekommen, legen Sie ihm eine Kostprobe auf den eigenen Teller oder in die Hand.

Kinder entwickeln sich in diesem Alter sehr unterschiedlich. Manche Kinder sind mehr am Laufen lernen und „Neues“ entdecken interessiert, andere am selbstständig Essen lernen. Gehen Sie auf das Tempo Ihres Kindes ein und drängen nicht. Begeisterte Breiesser dürfen das auch noch eine Weile bleiben.

Kauen macht Spaß

Meist sind in dieser Zeit die ersten Zähnchen durchgebrochen. Aber auch dann ist das Kauen für die Kleinen noch recht anstrengend. Aus den Milch- und Breimahlzeiten werden erst nach und nach drei Haupt- und zwei Zwischenmahlzeiten. Die Speisen werden gröber, bleiben aber immer noch relativ weich. Zerdrücken Sie die Breie mit der Gabel - am Anfang noch sehr stark, später immer weniger - so erleichtern Sie den Übergang zur festen Kost. Auch Brot lässt sich meist schon gut essen. Wenn Ihr Kind schon kauen kann, geben Sie ihm am besten Stückchen von fein ausgemahlenem Vollkornbrot. Es lässt sich leichter einspeicheln als Weißmehlprodukte und verklebt weniger im Mund. Feste Lebensmittel, wie z.B. rohe Karotten- oder Kohlrabistücke, kann Ihr Kind erst kauen, wenn die Backenzähne vollständig durchgebrochen sind.
Kauen lernen ist wichtig für die Kleinen, denn es trainiert den gesamten Kauapparat und die Mundmuskulatur, die auch beim Sprechen eine Rolle spielen.

Selbstständig essen - mit allen Sinnen

Wenn ihr Kind Ihre Hand mit dem gefüllten Löffel wegstößt, obwohl es hungrig ist, will es vermutlich nur selbstständig essen. Mit dem eigenen Löffel oder eigenen Nudeln oder Brot in den Händen entspannt sich die Lage schnell. Auch Essen lernen muss man üben. Nicht immer wird alles auf Anhieb im Mund landen.
Essen ist eine Sinneserfahrung – Lassen Sie Ihr Kind experimentieren und Lebensmittel und Speisen auch be-greifen.

Abwechslung tut gut

Der Speiseplan Ihres Kindes wird jetzt immer vielfältiger. Neue Gemüsearten (z.B. Brokkoli, Blumenkohl, Kohlrabi, Fenchel, Aubergine, Zucchini, Mais, Erbsen) und neue Obstarten (z.B. Melone, Pfirsich, Nektarine, Aprikose, Heidelbeere) können ausprobiert werden. Neben Kartoffeln gibt es auch Nudeln oder Reis.
Haben Sie Geduld beim Anbieten von neuen Lebensmitteln. Jedes Kind hat dabei sein eigenes Tempo. Mischen Sie einfach einige Löffel einer neuen Gemüseart unter das übliche Mittagessen. So bleibt das Bewährte erhalten und das Neue wird langsam akzeptiert.
Vermeiden Sie stark gewürzte, zu fettreiche oder frittierte Gerichte. Kinder können verschiedene Geschmackseindrücke am besten kennen lernen, wenn die Mahlzeiten aus frischen Lebensmitteln mit viel Eigengeschmack bestehen.

Tagesplan für den Übergang zur Familienkost

Am Anfang wird die Änderung der Mahlzeiten vielleicht für etwas Unruhe sorgen. Mit ein bisschen Geduld werden sich aber alle daran gewöhnen. Achten Sie auf einen gleichbleibenden Mahlzeitenrhythmus, denn er gibt Ihrem Kind Sicherheit und macht es ausgeglichen.

Frühstück und Abendessen:
Morgens können Sie Ihr Baby weiterhin stillen bzw. ein Fläschchen geben. Wenn Sie dann selbst frühstücken, lassen Sie es dabei sitzen und etwas trockenes Brot, Zwieback oder Obst knabbern. Allmählich darf auch mal Belag aufs Brot.
Am Abend ist Ihr Kind müde und hat oft nur wenig Energie für das Abendessen. Isst Ihr Kind seinen Milchbrei noch gerne, können Sie ihn noch beibehalten. Möchte es lieber etwas Festeres, sind kleine Brotstücke mit Butter, Margarine oder auch Frischkäse bestrichen ideal.
Tipp: Eine Alternative zu Brei oder Brot können Grießschnitten sein: 200 ml Milch aufkochen, 30 g Vollkorngrieß dazu geben und zu einem dicken Brei quellen lassen. Ca. 2 cm dick auf ein Brett streichen und nach dem Abkühlen kleine Stücke daraus schneiden.

Mittagessen:
Die Mittagsmahlzeit bleibt in ihrer Zusammensetzung bestehen, wird jedoch gröber. Sie können auch hin und wieder eine kleine Portion von Ihrem eigenen Mittagessen abzweigen, bevor Sie es würzen.

Zwischenmahlzeiten:
Die Zwischenmahlzeit am Vormittag soll sättigen, aber nicht den Hunger für das Mittagessen nehmen. Ideal dafür ist Obst, etwas Brot oder Vollkornzwieback. Am Nachmittag kann Ihr Kind weiterhin seinen gewohnten Getreide-Obst-Brei essen, wenn es das möchte. Statt der Instantflocken bereiten Sie ihn nun mit gröberen Flocken zu. Auch zerdrücktes, rohes Obst wird von den meisten Kindern nun gut vertragen. Alternativen sind Bananen oder Brotstückchen, wenn es gerne etwas in der Hand haben möchte. Mit Kuchen, Keksen oder sonstigen Süßigkeiten sollten Sie noch eine Weile warten.

Quellen:
Ministerium für Ländlicher Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg: Von Anfang an mit Spaß dabei - Essen und Trinken im ersten Lebensjahr, 2017
Forschungsinstitut für Kinderernährung: Empfehlungen für die Ernährung von Säuglingen, 2013
aid: Ernährung von Säuglingen, 2014
Gätjen, E.: Essenspaß für kleine Kinder, TRIAS, Stuttgart 2008
Largo, R. H.: Babyjahre, Piper, München 2007

Autorin: Sigrid Fellmeth, Dipl.oec.troph, BeKi-Referentin
Bildautorin: Sarah Bachmann

Wo 06/17

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