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Essen und Trinken
  • 07.08.2014

Esskulturen – Vom Umgang mit Klischees

Esskulturen_F. Wöhrlin

Die Begegnung von Menschen aus verschiedenen Kulturen ist heute alltäglich. Gerade beim Essen und Trinken spielen kulturelle Besonderheiten eine Rolle und werden offensichtlich. Ein sensibler Umgang mit sich und anderen kann Missverständnisse verhindern und Gemeinsamkeiten betonen.

Kultur gibt Orientierung

Menschen sind verschieden und gerade Essen und Trinken sind in der jeweiligen Kultur fest verankert. Hinzu kommen persönliche und emotionale Bezüge. Die Alltagskultur legt die Spielregeln für das soziale Zusammensein fest. Sie gibt Orientierung, unter anderem für die Lebensmittelauswahl und die Gestaltung von Mahlzeiten. Beispielsweise gibt es kulturell festgelegte Nahrungstabus. Während es in asiatischen Ländern nicht ungewöhnlich ist, Hund und Katze zu essen, verabscheuen wir diese Auswahl. Wir finden es nicht richtig, diese Tiere zu essen.

Nicht von sich auf Andere schließen

Gerne werden individuelle Verhaltensmuster (Eigenheiten, Vorlieben, Abneigungen etc.) und kulturelle Besonderheiten verwechselt oder vermischt. Man schließt von sich selbst auf Andere oder von einer Person auf einen gesamten Kulturkreis. Hat man beispielsweise als junger Erwachsener und Bewohner einer deutschen Großstadt mehr Gemeinsamkeiten mit einem älteren Menschen aus einem kleinen, abgelegenen Dorf in Deutschland oder mit einem Menschen gleichen Alters aus Istanbul? Milieustudien zeigen, dass meist nicht die kulturellen Besonderheiten ausschlaggebend sind, sondern vielmehr das Milieu, dem man angehört.

Gemeinsamkeiten im Blick

In Kitas und Schulen wird Interkulturalität häufig am Beispiel „Essen“ thematisiert, zum Beispiel in Form eines interkulturellen Frühstücks. In vielen Fällen werden hier Stereotypen gezeichnet und die tatsächlichen Esssituationen in den Familien nicht berücksichtigt – auch Kinder mit türkischem Migrationshintergrund können die Nuss-Nougat-Creme anstelle der herzhaften Olive bevorzugen. Anstelle der Unterschiede sollten die Gemeinsamkeiten bewusst gemacht werden.

Sensibilisierung für interkulturelle Sichtweisen

Eine Sensibilität für interkulturelle Sichtweisen ist auch in der Ernährungsbildung bedeutend. Erstmals hat das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Integration Baden-Württemberg eine Fortbildung „Interkulturelle Kompetenz stärken“ für Ernährungsfachkräfte angeboten.

Interkulturelle Kompetenz zeigt sich vor allem im Umgang miteinander. Die richtige Anrede, Verständnis und angemessene Kommunikation sind Beispiele kultureller Sensibilität.

Missverständnisse ohne Worte

Die Art und Weise, wie man etwas sagt, und die Körpersprache beeinflussen Kommunikation maßgeblich. Zur Körpersprache gehören Mimik, Gestik, Körperkontakt, Körperhaltung, Blickkontakt genauso wie ein angemessener Abstand zum Gesprächspartner. In manchen Kulturen sind Körperkontakt und große Gesten Normalität. Dieses Verhalten wirkt auf Personen aus anderen Kulturkreisen befremdlich und überheblich. Ähnlich verhält es sich mit dem Abstand. In jeder Kultur gibt es einen angenehmen Abstand zum Gesprächspartner. In Deutschland beträgt dieser Abstand beispielsweise die Länge des Unterarms mit geöffneter Hand. Treffen zwei unterschiedliche Kulturen aufeinander, kann es zu unangenehmen „Ausweichmanövern“ kommen. Bei interkultureller Kompetenz geht es darum, diese kulturellen Eigenheiten zu erkennen, zu berücksichtigen und Lösungen zu finden, die für beide Seiten akzeptabel sind.

Quelle:

  • Seminar und Seminarunterlagen „Interkulturelle Kompetenz stärken“, am 27. Februar 2014, Referentin: Dr. Sabine Handschuck
  • Seminar und Seminarunterlagen „Interkulturelle Öffnung“, am 05. März 2014, Referentin: Gülcan Yoksulabakan

Autorin: Ann-Katrin Hillenbrand
Bildautorin: Friederike Wöhrlin

Hil 08/2014

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