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Frau mit Kind an Käsetheke
  • 08.03.2017

Keine Rohmilchprodukte während der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft ist eine ausgewogene Ernährung von großer Bedeutung für Mutter und Kind. In dieser Zeit muss die Schwangere nicht nur ihren eigenen Körper, sondern auch den ihres Kindes mit Nährstoffen versorgen. Über die Nahrung, zum Beispiel Rohmilch, können Krankheitserreger aufgenommen und auch auf das ungeborene Kind übertragen werden. Um dieses Risiko zu minimieren, sollten Schwangere auf Rohmilch und Rohmilchprodukte zu verzichten.

Wie unterscheiden sich Rohmilchprodukte von herkömmlichen Milchprodukten?

Im Unterschied zu pasteurisierter oder wärmebehandelter Milch wird sogenannte Rohmilch weder erhitzt noch in der Molkerei anderweitig bearbeitet. Durch die fehlende Wärmebehandlung sind eventuell vorhandene Mikroorganismen nicht abgetötet und können sich vermehren. Daher gelten generell bestimmte Vorsichtsmaßnahmen für Rohmilch: Sie darf diese nur ab Hof  verkauft und muss vor dem Verzehr stets abgekocht werden. Am Abgabeort ist die Anbringung des Hinweises „Rohmilch, vor dem Verzehr abkochen“ vorgeschrieben.

Eine Variante der Rohmilch ist die Vorzugsmilch. Vorzugsmilch wird unter Einhaltung bestimmter Hygienemaßnahmen im Erzeugerbetrieb in Fertigpackungen roh abgefüllt und darf im Handel verkauft werden.

Rohmilchkäse wird aus Rohmilch hergestellt und bei der Verarbeitung auf höchstens 40°C erwärmt. Mikroorganismen aus der Milch werden bei diesen Temperaturen nicht abgetötet, sodass auch Rohmilchkäse noch unerwünschte Bakterien enthalten kann. Eine Ausnahme ist lang gereifter Hartkäse. Aufgrund seiner Reifezeit enthält er in der Regel keine unerwünschten Mikroorganismen.

Die meisten im Handel erhältlichen Milch und Milchprodukte werden pasteurisiert oder ultrahocherhitzt. Die hitzeempfindlichen Mikroorganismen überleben diesen Vorgang nicht.

Welche Gefahr für Schwangere geht von Rohmilchprodukten aus?

Da Rohmilch und Rohmilchprodukte nicht erhitzt werden, können sie Krankheitserreger, wie Listerien enthalten, die sonst bei der Erhitzung von Milch abgetötet werden. Gesunden Menschen schaden diese Erreger normalerweise nicht. Für Schwangere, Kleinkinder oder kranke Menschen können sie jedoch eine große Gefahr bedeuten.

Listerien rufen die Infektionskrankheit Listeriose hervor, die zu grippeähnlichen Symptomen, Abgeschlagenheit und Leistungsschwäche führt. Eine Infektion mit Listeriose im letzten Schwangerschaftsdrittel kann Früh- und Todgeburten zur Folge haben. Außerdem können die Listerien auf das Kind übertragen werden und zu Gehirn- und Gehirnhautentzündung führen, die geistige und körperliche Behinderungen nach sich ziehen.

Neben Listerien können auch Escherichia coli, Salmonellen oder Tuberkulosebakterien in Rohmilch und ihren Produkten vorkommen, die sich ebenfalls schädigend auf das Kind auswirken können. Schwangere sollten deswegen auf Rohmilch und Rohmilchprodukte verzichten.

Welche Rohmilchprodukte sind im Handel erhältlich?

Die meisten Milchprodukte im Handel werden aus Qualitätsgründen aus pasteurisierter Milch hergestellt. Einige Produkte, wie Vorzugsmilch oder Käse, werden jedoch aus Rohmilch gewonnen und sind ebenfalls im Supermarkt erhältlich.

Typische Käsesorten, die aus Rohmilch hergestellt werden, sind Camembert, Feta, Limburger, Raclette, Tilsiter und Roquefort sowie einige Hartkäsesorten, wie Allgäuer Bergkäse, Allgäuer Emmentaler, Parmesan und Le Gruyére. Bei Hartkäse ist zwar im Inneren nicht mit schädlichen Bakterien zu rechnen, allerdings können sich die Bakterien, wie auf jedem anderen Käse auch, auf der Rinde ansiedeln. Das gilt vor allem auch für Käse mit Oberflächenschmiere wie Münster, Limburger, Harzer Roller, Handkäse und Tilsiter.

Joghurt, Frischkäse oder Quarkprodukte sind für Schwangere unbedenklich, da sie im Handel nur aus pasteurisierter Milch verkauft werden

Wie lassen sich Produkte aus Rohmilch erkennen?

Alle Lebensmittel, die aus Rohmilch hergestellt wurden, müssen gekennzeichnet sein. Auf verpackten Produkten, wie Käse, finden Sie den Hinweis „Aus Rohmilch hergestellt“. Findet sich auf der Packung kein Hinweis dieser Art, dann wurde der Käse aus pasteurisierter Milch gewonnen.

Auch in der Käsetheke oder beim Verkauf von von Rohmilchprodukten direkt ab Hof muss mittels eines Schildes auf die Verwendung von Rohmilch hingewiesen werden.muss mit einem Schild gekennzeichnet werden.

Wer auf Nummer sicher gehen will, fragt besser vor dem Kauf nach und wählt im Zweifel einen anderen Käse aus.

Darauf sollten Schwangere achten

  • Wählen Sie nur pasteurisierte bzw. wärmebehandelte Milch und daraus hergestellte Produkte.
  • Bevorzugen Sie harte Käsesorten.
  • Schneiden Sie grundsätzlich die Käserinde ab.
  • Meiden Sie Weichkäse, wie Camembert oder Käse mit Oberflächenschmiere, z.B. Harzer Roller und Tilsiter. Gleiches gilt für eingelegten Käse oder Frischkäse aus offenen Gefäßen, wie Feta, Kräuterquark und Mozzarella.
  • Reiben Sie Käse am besten selbst und erst kurz vor dem Verzehr.
  • Kaufen Sie abgepackten Käseaufschnitt nur in kleinen Mengen und verbrauchen Sie ihn rasch.
  • Verbrauchen Sie Milch und Milchprodukte nach dem Öffnen innerhalb von 2-3 Tagen.
  • Vergessen Sie das Händewaschen nicht. Achten Sie besonders in der Schwangerschaft auf Sauberkeit in der Küche und entsprechende Hygiene bei der Verarbeitung und Lagerung von Lebensmitteln. Kurz: Hygiene ist das A und O!

Autorin: Dr. Claudia Müller
Foto: sanshine

Quellen:

Bo 03/17

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