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Essen und Trinken
  • 09.06.2016

Kulturelle Vielfalt erleben: Gemeinsam mit Flüchtlingen kochen

Foto: Gertrud Mellert

Wenn Flüchtlinge in Deutschland eine neue Heimat finden, bringen sie auch eine große kulinarische Vielfalt mit. In vielen Städten finden inzwischen Kochevents statt, in denen sich Neuankömmlinge und Einheimische auf Augenhöhe begegnen und voneinander lernen können.

Grenzen überwinden für mehr Offenheit und Toleranz

Seit Monaten ist in den Medien das Thema der Zuwanderung von Flüchtlingen präsent. Es gibt politische Diskussionen und Demonstrationen, doch über die betroffenen Menschen selbst ist nur wenig bekannt. Geflüchtete und Einheimische leben häufig in Parallelgesellschaften, zwischen denen es kaum Berührungspunkte gibt. Dabei besteht häufig gegenseitiges Interesse, sich kennenzulernen und mehr über die Geschichte und Kultur des anderen zu erfahren.

Köstliches aus aller Welt: Integration geht durch den Magen

Eine interessante Möglichkeit der Begegnung und Wertschätzung der Kulturen bieten gemeinsame Kochabende. Auf diese Weise wird dem Thema Asyl eine neue positive Perspektive gegeben. Über das Kochen lassen sich Barrieren abbauen und Vorurteile aus dem Weg räumen. Geflüchtete werden nicht als Hilfebedürftige, sondern als Personen mit einer hohen kulturellen Kompetenz gesehen.

Das Prinzip ist einfach: Menschen unterschiedlicher Herkunft stehen gemeinsam in der Küche, schneiden Gemüse, würzen exotische Gerichte und kommen dabei ungezwungen in Kontakt. Die Köche sind Flüchtlinge oder Asylsuchende, die in Deutschland ein neues Zuhause finden möchten. Sie haben nicht nur außergewöhnliche Köstlichkeiten im Gepäck, sondern können auch Geschichten über Sitten und Essgewohnheiten ihrer Länder erzählen. Für viele Flüchtlinge ist die Zubereitung traditioneller Speisen ein Stück Heimat, während die Deutschen mit ihnen unbekannten Lebensmitteln, Aromen und Gerüchen in Kontakt kommen.

Die Berliner Initiative „Kochen über den Tellerrand“

Die vermutlich bekannteste Initiative ist „Über den Tellerrand“, die von vier Berliner Studenten im Jahr 2013 ins Leben gerufen wurde. Sie kochen gemeinsam mit Flüchtlingen und haben ein zweisprachiges Kochbuch „Rezepte für ein besseres Wir - Recipes for a better Us“ veröffentlicht. Interessierte finden hier Erfahrungen aus über 30 Kochbegegnungen sowie ein buntes Potpourri aus internationalen Originalrezepten und persönlichen Geschichten der Flüchtlinge. Außerdem organisiert die Initiative spezielle Kochkurse, die von Geflüchteten geleitet werden. Hier können Speisen der jeweiligen Nation wie Syrien, Afghanistan und Ägypten unter Anleitung selbst zubereitet werden. Inzwischen finden in vielen Städten Deutschlands und sogar in anderen Ländern Europas Kochevents für Flüchtlinge und Einheimische statt.

Gemeinsam etwas erleben und Spaß haben

Ein weiterer Trend sind „Supperclubs“: In wechselnden Wohnungen versammeln sich Menschen und treffen sich zum gemeinsamen Essen. Sie bringen ihre Speisen selbst mit oder der Gastgeber kocht für die Gruppe. Weitere Projekte fördern das gegenseitige Interesse und Kennenlernen in einer entspannten Atmosphäre. Dazu gehören gemeinsame Aktivitäten wie Fußballspielen, Ausflüge in die Natur, Picknick im Park oder Filmabende. Auch Lesungen, Gesprächsrunden mit Flüchtlingen und Workshops können fremde Länder näher bringen. Ein großer Teil der Kultur ist die Sprache. In Sprachcafés wird der gemeinsame Sprachaustausch gefördert, um das gegenseitige Verständnis zu verbessern. Solche Aktionen fördern ein interkulturelles Netzwerk, das Integration erfolgreich umsetzt und Flüchtlingen Hilfe zur Selbsthilfe bietet.

Unser Tipp: Wer in ähnlicher Weise aktiv werden möchte, kann sich in Internetsuchmaschinen unter dem Stichwort „Kochen mit Flüchtlingen“ über Aktionen vor Ort informieren. Viele Städte bieten interkulturelle Kochbegegnungen an. Ist das nicht der Fall, haben Sie vielleicht Lust selbst in Ihrer Gegend eine Community aus Flüchtlingen und Beheimateten zu initiieren. Unterstützung dabei bietet der Verein „Über den Tellerrand e.V.“.

Quellen:



Autorin: Dr. Claudia Müller, Bonn
Bildautorin: Gertrud Mellert

Ste 06/16

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