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Gesundheit & Hygiene
  • 30.04.2014

Lebensmittelinfektionen in der Schwangerschaft – Was ist zu beachten?

Ernährung in der Schwangerschaft_F. Wöhrlin

Lebensmittel können krank machende Keime enthalten, die für Schwangere und die ungeborenen Kinder gefährlich sein können. Das Risiko zu erkranken ist  gering, trotzdem sollten Schwangere verstärkt auf Hygiene achten und bestimmte Lebensmittel meiden.

Für Schwangere sind insbesondere die Erreger von Toxoplasmose und Listeriose gefährlich, da sie dem ungeborenen Kind direkt schaden können. Bei einer Infektion mit Salmonellen ist primär der Gesundheitszustand der Mutter gefährdet. Je nach Verlauf der Erkrankung kann aber auch für das Kind ein gesundheitliches Risiko entstehen.

Toxoplasmose

Der Parasit Toxoplasma gondii wird in erster Linie durch den Kot von infizierten Katzen oder mit Tierfutter übertragen. Über den Katzenkot können die Erreger auf pflanzliche Lebensmittel wie Salate und Beeren, über Tierfutter in das Fleisch von Masttieren gelangen. Beim gesunden Erwachsenen verläuft die Infektion in der Regel ohne Symptome. Toxoplasmose wird nur gefährlich, wenn sie in der Schwangerschaft das erste Mal auftritt. Dann enthält das Immunsystem der Mutter noch keine Antikörper, und die Erkrankung kann auf das Baby übergehen. Beim ungeborenen Kind können schwere Schädigungen (z. B. der Augen oder des Gehirns) auftreten, die sich zum Teil erst nach Jahren bemerkbar machen.

Listeriose

Listerien sind Bakterien, die in der Landwirtschaft weit verbreitet sind. Sie können somit in zahlreichen Lebensmitteln vorkommen. Infektionsquellen sind beispielsweise Rohmilch, bestimmte Fleisch und Wurstwaren, Räucherfisch, Weichkäse und vorgefertigte Salate. Einige Spezies lösen die Krankheit Listeriose aus. Die Symptome variieren und reichen von leichten grippeähnlichen Erkrankungen bis hin zu Hirnhaut- und Gehirnentzündungen. Infektionen bei Schwangeren können Fehl-, Früh- oder Totgeburten zur Folge haben. Die Neugeborenen kommen oft mit schweren Schäden zur Welt.

Salmonellose

Salmonellosen sind Erkrankungen, die durch Bakterien der Gattung Salmonella verursacht werden. Diese sind in der Natur weit verbreitet und werden fast immer durch den Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln übertragen. Dazu gehören insbesondere eiweißreiche, rohe Lebensmittel wie Fleisch und Fleischerzeugnisse, Geflügelprodukte sowie Meerestiere. Bei Schwangeren ist eine Salmonelleninfektion unter Umständen höchst gefährlich. Es besteht das Risiko einer Frühgeburt. Ein schwerer bzw. komplikationsreicher Verlauf bei der Mutter kann allgemein die Gesundheit des Kindes gefährden.

Wie können Schwangere vorbeugen?

Hygiene in der Küche sowie ein bewusster Umgang mit Lebensmitteln schützen effektiv vor diesen Erkrankungen:

  • Waschen Sie immer gründlich Ihre Hände. Bevor Sie Speisen zubereiten, nach dem Sie rohe Lebensmittel verarbeitet haben und nach jedem Toilettengang ist Händewaschen unverzichtbar.

  • Achten Sie auf Sauberkeit in der Küche. Verwenden Sie saubere Küchengeräte, Schneidebretter und Spüllappen. Waschen Sie Handtücher und Lappen bei mindestens 60 °C und tauschen Sie die Bretter von Zeit zu Zeit aus.

  • Reinigen Sie die Lebensmittel richtig. Salat, Gemüse, Obst und frische Kräuter unter fließendem, kaltem Wasser waschen, abbürsten oder schälen.

  • Lagern und verarbeiten Sie rohe Lebensmittel getrennt. Das gilt sowohl für Obst, Gemüse und Kräuter als auch für rohes Fleisch, Fisch und Eier. Spülen Sie die Gegenstände, die mit diesen Lebensmitteln Kontakt hatten, mit heißem Wasser und Spülmittel ab.

  • Kühlen Sie die Lebensmittel richtig. Der Kühlschrank sollte auf 4-6 °C eingestellt sein. Kaufen Sie nur kleine Mengen an zu kühlenden Lebensmittel und verbrauchen Sie diese rasch.

  • Erhitzen Sie die Lebensmittel richtig. Lebensmittel müssen auch im Inneren für mindestens zwei Minuten auf 70 °C erhitzt werden, damit Toxoplasmen, Listerien und Salmonellen absterben. Fleisch sollte im Inneren grau und nicht mehr rosa sein.

Diese Lebensmittel sollten Schwangere meiden

Listerien und Toxoplasmen können in zahlreichen Lebensmitteln wie Rohmilch, Weichkäse und bestimmten Fleisch- und Wurstwaren vorkommen. Sie müssen aber nicht in jedem Fall enthalten sein. Dennoch sollten Schwangere vorsichtshalber auf folgende Lebensmittel verzichten:

Fleisch und Fleischerzeugnisse

  • Rohes nicht durchgegartes Fleisch wie Steaks, Hackepeter, Mett, Tatar, Carpaccio
  • Rohwürste wie Salami, Teewurst; Cervelatwurst, Cabanossi, Mettwurst, Plockwurst
  • Rohe Pökelware wie Rohschinken oder Bündnerfleisch

Fisch, Fischerzeugnisse und Meeresfrüchte

  • Roher Fisch und rohe Meeresfrüchte wie Matjes, Sushi, Fisch-Carpaccio, Sashimi, Austern
  • Geräucherte oder gebeizte Fischerzeugnisse wie Räucherlachs, geräucherte Makrele, Graved Lachs

Milch, Milchprodukte und Käse

  • Rohmilch und alle daraus hergestellten Produkte
  • Aus pasteurisierter Milch hergestellter Weichkäse wie Camembert
  • Käse mit Oberflächenschmiere, z. B. Limburger, Harzer Roller, Tilsiter
  • Eingelegter Käse aus offenen Gefäßen wie Feta und Schafskäse (vor allem in der Gemeinschaftsverpflegung und Gastronomie)
  • Vorgefertigter Reibekäse

Obst und Gemüse

  • Ungewaschenes Obst und Gemüse
  • Vorgefertigte Salate
  • Salate aus Salattheken der Gemeinschaftsverpflegung und Gastronomie
  • Unerhitzte Säfte, Smoothies an Obstständen

Quellen:

Autorin: Dr. Claudia Müller, Bonn
Bildautorin: Friederike Wöhrlin

Hil 04/14

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