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Kinder
  • 24.03.2016

Mangelernährung bei Säuglingen und Kleinkindern vermeiden

Foto: Silvie Kühne

Säuglinge und Kleinkinder wachsen sehr rasch. Sie verdreifachen ihr Gewicht im Laufe des 1. Lebensjahrs und haben einen sehr hohen Bedarf an Makro- und Mikronährstoffen. Ihre Kapazität zur Nahrungsaufnahme ist begrenzt und nicht alle Kinder sind gleich gute Esser. Eine ausgewogene Beikost ist deshalb besonders wichtig, um die Nährstoffversorgung zu sichern.

Mit einer Mischkost ist das am einfachsten zu erreichen. Auch eine ovo-lakto-vegetarische Kinderernährung mit Eiern, Milch und Milchprodukten kann gut gelingen, wenn das Angebot stimmt und die Kinder gut mitessen. Vegane Ernährung wird von der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin nicht empfohlen. Je jünger die Kinder sind, wenn ihre Lebensmittelauswahl eingeschränkt wird, desto wahrscheinlicher treten Mangelerscheinungen auf. Deshalb ist eine ärztliche Überwachung des Gedeihens von vegan ernährten Kindern besonders wichtig. Kritische Nährstoffe müssen supplementiert werden. Unverzichtbar ist dies in jedem Fall bei Vitamin B12.

Vegane Ernährung liegt derzeit im Trend und wird teilweise auch für Säuglinge und Kleinkinder propagiert. Im Alltag ist aber zu beobachten, dass nicht selten einfach nur tierische Lebensmittel weggelassen werden. Aber auch die vegane Kostform muss optimiert werden, zum Beispiel durch bisher nicht verwendete Lebensmittel, eine andere Zusammenstellung von Lebensmitteln oder veränderte Mengenverhältnisse. Nur dann können Risiken einer Mangelversorgung minimiert werden. Selbst wenn die Eltern ein gutes Angebot zur Verfügung stellen, essen Kinder nicht immer eine ausreichende Menge davon und die geplante Nährstoffversorgung wird nicht erreicht.

Mangelerscheinungen oft nicht mehr bekannt

Kritische Nährstoffe bei veganer Ernährung sind Vitamin B12, Eisen, Zink, Jod, Calcium, Vitamin D, Vitamin B2 und die ω-3- Fettsäuren. Für Erwachsene ist eine vorübergehende Zeit mit einer unzureichenden Deckung des Nährstoffbedarfs kein Problem. Für Kinder und Säuglinge kann dies in den schnellen Wachstumsphasen jedoch nachhaltige Folgen haben, die später nicht mehr rückgängig zu machen sind.

Ein Mangel an Vitamin B12 führt zu einer Störung der Zellbildung im Knochenmark, besonders der roten Blutkörperchen sowie zu Dauerschäden des Nervensystems.
Bei Eisenmangel wird die Blutbildung, das Immunsystem und das Wachstum insgesamt gestört. Zudem kann es im Extremfall zu irreversibler Verzögerung der Gehirnentwicklung kommen.
Zinkmangel führt zu neuropsychologischen Störungen, Wachstumsverzögerung und zu Störungen der Entwicklung der Geschlechtsorgane.
Jodmangel beeinträchtigt die Bildung von Schilddrüsenhormonen wodurch es in jungen Jahren zu einer verzögerten körperlichen und geistigen Entwicklung kommen kann.
Calcium wird nicht nur für die Bildung und Stabilisierung von Knochen und Zähnen benötigt, sondern ist im ganzen Körper für die Stabilisierung der Zellmembranen, die Reizübertragung und die Blutgerinnung von Bedeutung.
Eine typische Folge von Vitamin D-Mangel ist Rachitis (Deformierung des Skeletts), sowie herabgesetzte Muskelkraft und erhöhte Infektanfälligkeit.
Ein Mangel an Vitamin B2 führt zu Wachstumsstörungen und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Die ω-3 Fettsäuren sind in besonders hohen Konzentrationen in den Zellen der Netzhaut und im Nervengewebe vertreten. Bei einem Überangebot an ω-6-Fettsäuren kann es zu einem Mangel kommen, weil die körpereigene Umwandlungsrate von ω-6-Fettsäuren zu ω-3-Fettsäuren stark vermindert wird.

Viele dieser Mangelerscheinungen werden bei uns inzwischen nur noch sehr selten beobachtet. Bei stark eingeschränkten Ernährungsformen können sie jedoch wieder auftreten. Kinderärzte sollten immer informiert werden, wie die Kinder ernährt werden, um kritische Größen im Blick zu behalten. Für Kinder sollte bei der Ernährung immer auf ein optimales Angebot geachtet werden, damit sie sich bestmöglich entwickeln können.



Autorin: Dr. Gabriele Schilling

Bildautorin: Silvie Kühne


Quellen:
  • Ernährung gesunder Säuglinge; Empfehlungen der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Konsensuspapier, Monatsschr. Kinderheilkd. 2014, 527–538.
  • Vegetarische Ernährung; Leitzmann C., Keller M., 2013
  • D-A-CH-Referenzwerte, 2. Auflage Ausgabe 2015


Ste 03/2016

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