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Essen und Trinken
  • 27.03.2014

Mein Haus, mein Auto...mein Essen – Symbolcharakter auf unseren Tellern

Symbolcharakter des Essens_F. Wöhrlin

Wir tun es täglich mehrmals, häufig nebenbei und mit Selbstverständlichkeit – essen. Dabei hat nicht nur die Auswahl von bestimmten Lebensmitteln einen Symbolcharakter. Sogenannte „Food Skills“ wie „richtig gut kochen können“ werden immer mehr zu Statussymbolen, um sich von anderen zu unterscheiden.

Frauen und Männer – Gegensätze ziehen sich an

Für jeden zweiten Deutschen hat die tägliche Ernährung einen hohen Stellenwert, für Männer (44 %) weniger als für Frauen (55 %). Während Frauen einen besonderen Wert auf gesunde Ernährung legen, machen sich Männer weniger Gedanken, bei Ihnen steht der Geschmack an erster Stelle. Auch bei der Lebensmittelauswahl und Zubereitung zeichnen sich Unterschiede ab:

  • 60 % der Männer wollen täglich Wurst oder Fleisch, bei Frauen sind es 40 %.
  • Frauen greifen häufiger zu light-Produkten. Dafür geben sie sich auch schneller kleinen Gelüsten hin (Knabbereien, Schokolade) vor allem in Phasen von Stress oder Frust.
  • Kochen ist weiterhin eine Frauendomäne.

„kochen können“ als Statussymbol

Neben den bekannten Statussymbolen wie Häuser oder Autos, gewinnen immaterielle Werte immer mehr an Bedeutung. Werte wie „Zeit für sich selbst“, „ehrenamtliches Engagement“ oder eben „richtig gut kochen können“ rangieren weit vorne. Es sind neue Statussymbole, die der positiven Unterscheidung und Abgrenzung dienen.

Zunehmendes Wissen rund um Essen und Trinken führt zu einem neuen Essbewusstsein. Ansprüche wie „gesund, frisch, nachhaltig und fair“ leiten sich daraus ab. In Gastronomie und Außer-Haus-Verpflegung werden Frische, Herkunft und Wohlfühlatmosphäre als neue Trends aufgegriffen. Was man kocht, wie man es zubereitet, mit wem man isst und wie viel man über Ernährung weiß hat einen hohen Stellenwert. Auch Essqualität und Ernährungskompetenzen sind Statussymbole.

Diejenigen, die besonders auf hochwertige, vielseitige und abwechslungsreiche Ernährung achten, machen ca. 40 % der Bevölkerung aus. Frauen mit höherer Bildung sind in dieser Gruppe überproportional vertreten.

Soziale Unterschiede und Symbolcharakter des Essens

Nicht nur zwischen den Geschlechtern lassen sich unterschiedliche Tendenzen erkennen. Je höher die Schulbildung und das Einkommen, desto größer ist das Ernährungsbewusstsein. Hier wird das tägliche Essen und Trinken als Investition in die Zukunft wahrgenommen. Beispielweise essen Geringverdiener deutlich mehr Fleisch. Schon seit Jahrzehnten widmen sich Soziologen diesem Phänomen. Durch das was und wie man isst, kann man sich von anderen Gruppen abgrenzen. Wurde Fleisch in den 70er Jahren vor allem gegessen, um Überfluss und Reichtum zu präsentieren, ist es heute ein Lebensmittel, das als nahrhaft gilt. Höhere soziale Schichten üben sich in Zurückhaltung.

Genuss in der Zeit von facebook und Co.

Mit dem verstärkten Ernährungsbewusstsein gewinnen die sinnliche Wahrnehmung und der Genuss an Bedeutung. Zunehmend steht die Geschmackswahrnehmung im Mittelpunkt. Genussworkshops zur Schulung der Sinne, Feinkost und andere Delikatessen boomen.

Zudem ist es in der digitalen Welt um ein Vielfaches leichter seine Vorlieben öffentlich zu machen. Durch neue Medien, soziale Netzwerke wie facebook und Co. und zahlreiche Blogs wird die persönliche Genusswelt transparent.

Quellen:

  • http://www.diffferent.de/statussymbole-die-neue-studie/ (Aufruf: 20.03.2014)
  • http://www.gdi.ch/de/Think-Tank/Studien/Product-Detail/150 (Aufruf: 20.03.2014)
  • Krüger, J.; Schebek, L.; Ellrott, T. (2014): Die Beschleunigung der Ernährung und die Folgen für Umwelt und Gesundheit. In: Ernährungs Umschau 1/2014.
  • Freitag-Ziegler, G. (2013): Feinkost: Genuss im Trend. In: Ernährung im Fokus 13-03-04.
  • Techniker Krankenkasse (2013): Iss was, Deutschland? – TK-Studie zum Ernährungsverhalten der Menschen in Deutschland.
  • Barlösius, E. (1999): Soziologie des Essens: Eine sozial- und kulturwissenschaftliche Einführung in die Ernährungsforschung. Verlag: Beltz Juventa.

Autorin: Ann-Katrin Hillenbrand
Bildautorin: Friederike Wöhrlin

Hil 03/14

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