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  • 28.06.2012
Salat und Wasser vs. SchiPo und Bier

Warum wir essen, was wir essen

Längst essen wir heutzutage nicht mehr nur, weil wir Hunger haben – sondern vielmehr, wenn wir uns mit Freunden treffen, gestresst oder einsam sind oder uns belohnen wollen. Was, warum und wie wir essen, entscheidet also nicht nur der Körper, sondern vor allem die Psyche.

„Essen hält Leib und Seele zusammen". Diese alte Weisheit beschreibt zum einen die physiologische Bedeutung des Essens und zum anderen seine psychologische Funktion. Essen ist notwendig, um den Körper mit Energie, Nährstoffen und anderen Inhaltsstoffen zu versorgen. Erhält der Körper zu wenig Energie, macht sich ein Hungergefühl bemerkbar und wir beginnen zu essen. Fehlen dem Körper Energie oder Nährstoffe, laufen die Stoffwechselprozesse nicht mehr einwandfrei und es entstehen Mangelsymptome. Bei Säuglingen funktioniert das angeborene Hunger- und Sättigungsgefühl sehr gut, sie nehmen nur genau die Menge an Flüssigkeit und Nahrung auf, die sie benötigen. Doch mit zunehmendem Alter beeinflussen immer stärker äußere Faktoren wie Freude, Langeweile, Belohnung oder Stress das Essverhalten. Dabei spielen Gewohnheiten, Erfahrungen, Geschmacksvorlieben und Werte auf der individuellen Ebene eine Rolle sowie auch äußere Faktoren wie Kultur, Religion, wirtschaftliche Situation, Erziehung und Tradition. Denn der Mensch ist ein soziales Lebewesen. So isst beispielsweise der Deutsche morgens eher ein Butterbrot oder Müsli, während der Engländer Eier mit Speck bevorzugt und der Italiener nur einen Espresso trinkt.

Warum manche bei Stress mehr, manche weniger essen

Egal, ob es sich um Stress aufgrund einer Prüfung, durch Lärm oder bedingt durch einen Flirt handelt – Stress ist einer der Faktoren, der unser Essverhalten beeinflusst. Das gilt sowohl für akuten als auch chronischen Stress. Wie sich Stress auswirkt, ist individuell verschieden. Prinzipiell wird unterschieden zwischen sog. Stressesser und Stresshungerer.

Stressesser

Stresshungerer

essen mehr, schnell, unkontrolliert, nebenbei

essen weniger

mögen gerne fett- und zuckerreiche Speisen, was die Konzentrationsfähigkeit eher verschlechtert

sind eher appetitlos und leiden an Übelkeit

nehmen große Bissen

verlieren bei anhaltendem Stress an Gewicht

haben oft Heißhunger

nehmen meist zu wenig Nährstoffe auf, was die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt

entwickeln bei Dauerstress Übergewicht

 

Quelle: nach aid infodienst (2013): Der Kopf isst mit – Zusammenspiel zwischen Essen und Psyche

Warum manche Menschen stressbedingt mehr, andere weniger essen, ist nicht eindeutig geklärt. Einfluss hat vor allem die Intensität des Stressauslösers, aber auch das Körpergewicht. Extreme Stressfaktoren wie Tod eines Familienangehörigen führen eher zu einer geringeren Nahrungsaufnahme, während leichte Stressfaktoren wie Einsamkeit zu gesteigertem Essbedürfnis führen.

Achtsam essen - auch bei Stress

Wichtig ist es zunächst, den Stressauslöser zu entlarven und wenn möglich ihn auszuschalten oder zu lernen, anders damit umzugehen.
Im Hinblick auf das Essen hilft:

  • regelmäßig essen
  • nicht ablenken lassen (nicht beim Fernsehen oder am Computer)
  • eine angenehme Atmosphäre schaffen
  • sich Zeit nehmen
  • nicht wegen Kummer essen oder sich mit Essen belohnen
  • gegen Nervosität Karottenstifte, Gurkenscheiben oder Nüsse knabbern, zuckerfreies Kaugummi kauen und auch mal eine kleine Menge Süßigkeiten essen
  • gegen Appetitlosigkeit ein Glas Obst- oder Gemüsesaft oder Milch mit püriertem Obst trinken

Männer essen anders als Frauen

Auch heute noch gilt das Stück Fleisch als typisch männlich. Frauen bevorzugen hingegen eher Salat, rund doppelt so viele Frauen ernähren sich vegetarisch. Generell halten Frauen öfters Diät als Männer und achten mehr auf ihre Gesundheit. Biologisch lässt sich dieser Unterschied nicht erklären. Die Weichen für das unterschiedliche Essverhalten von Frauen und Männern werden jedoch schon in der Kindheit gestellt: Bei Jungs ist ein großer Appetit erwünscht, damit sie groß und stark werden. Bei Mädchen achten Eltern frühzeitig auf die Figur und zügeln sie eher. Auch Medien und Werbung unterstützen das Rollenbild. Männer beißen begeistert in die Wurst, Frauen knabbern am Salat oder nippen am Sekt.

Quellen:

  • aid infodienst (2013): Der Kopf isst mit. Zusammenspiel zwischen Essen und Psyche. Bonn, Bestellnr. 3340
  • aid infodienst (2013): Tagungsband zum 16. aid-Forum „Verflixtes Schlaraffenland. Wie Essen und Psyche sich beeinflussen“. Bonn, 14.05.2013
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) (2000): Essen und Psyche. DGE-Info, Beratungspraxis 12/2000
  • Hohmann C (2010): Die Psyche isst mit. Pharmazeutische Zeitung 16, http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=33510 (zuletzt abgerufen am 04.06.2013)
  • Kiefer I (2013): Essen gegen Stress? Ernährung im Fokus 05-06, 140-143

Autorin: Dr. Claudia Müller, Bonn
Foto: Friederike Wöhrlin

Ehr 06/12

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