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Wenn man Milch nicht verträgt

Milch enthält zahlreiche Nährstoffe – neben Eiweiß und Kalzium auch Jod und viele Vitamine. Daher ist sie ein wichtiger Nährstofflieferant in einer ausgewogenen Ernährung. Aber nicht jeder verträgt sie: Manche reagieren auf das Milcheiweiß, manche auf den Milchzucker (Laktose).

Neben dem Hühnerei ist Milch der bedeutendste Allergieauslöser in Deutschland. Hauptsächlich Kinder vertragen das Milcheiweiß nicht. Milchzucker (Laktose) hingegen verursacht vor allem bei Erwachsenen Magen-Darm-Beschwerden.

Allergie auf Kuhmilcheiweiß

Bei einer Allergie gegen Kuhmilcheiweiß produziert das Immunsystem Antikörper gegen bestimmte Eiweiße der Milch. Dazu zählen vor allem Kasein, Laktalbumin und Laktoglobulin. Betroffen sind zwei bis sieben Prozent der Kinder. Meist tritt die Allergie zwischen dem 4. und 6. Monat auf und verliert sich oft bis zum Alter von drei Jahren. Die Häufigkeit bei Erwachsenen liegt nur noch bei ein bis drei Prozent. Folgende Beschwerden können unter anderem auftreten:

  • Hautausschlag
  • Juckreiz
  • Bauchschmerzen
  • Blähungen
  • Erbrechen
  • Darmkrämpfe
  • Durchfall

Die Diagnose einer Kuhmilcheiweiß-Allergie im Säuglings- oder Kindesalter sollte durch einen allergologisch erfahrenen Kinderarzt erfolgen. Nach eindeutigem Nachweis der Allergie ist als Therapie eine Umstellung der Ernährung auf eine Kost ohne Milch und Milchprodukte nötig. Auch eine Vielzahl von verarbeiteten Lebensmitteln wie Brot, Gebäck, Pudding oder Wurstwaren enthalten Milcheiweiß und sind daher zu meiden. Als Ersatz dienen Kokosmilch, Soja-, Reis-, Hafer- oder Mandeldrink, die wie Milch zum Kochen und Backen verwendet werden können. Da Milch wichtige Nährstoffe liefert, ist bei der Therapie auf eine ausreichende Nährstoffversorgung zu achten. Um diese zu gewährleisten und entsprechende, zum Beispiel kalziumhaltige, Alternativen auszuwählen, ist eine individuelle Beratung durch eine allergologisch geschulte Ernährungsfachkraft hilfreich.

Unverträglichkeit von Milchzucker (Laktoseintoleranz)

Bei einer Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) handelt es sich nicht um eine Allergie. Stattdessen besteht ein Mangel am Verdauungsenzym Laktase.. Normalerweise spaltet das Enzym Laktase den Zweifachzucker Laktose (Milchzucker) in Einfachzucker, die vom Dünndarm ins Blut aufgenommen werden. Fehlt dieses Enzym oder ist nicht genügend vorhanden, gelangt die Laktose ungespalten in den Dickdarm. Dort dient sie gas- und säurebildenden Bakterien als Nahrung. Durch die von den Bakterien gebildeten Säuren strömt mehr Wasser in den Darm und die Darmbewegung wird verstärkt. Die Betroffenen leiden an folgenden Beschwerden:

  • Durchfall
  • Blähungen
  • Völlegefühl
  • Bauchschmerzen und -krämpfe

Wer auf Milch und Milchprodukte mit Beschwerden reagiert, sollte dies zunächst beim Arzt abklären lassen und erst nach gesicherter Diagnose sich je nach Verträglichkeit laktosearm oder –frei ernähren. Die individuell verträgliche Menge hängt davon ab, wie viel Laktase noch vorhanden ist. Nicht alle Milchprodukte sind grundsätzlich tabu. Einige Lebensmittel enthalten so wenig Milchzucker, dass ihr Verzehr bei den meisten Menschen trotz Laktoseintoleranz keine Beschwerden verursacht. Gut verträgliche Lebensmitteln sind Sauermilchprodukte, da der Großteil der Laktose zu Milchsäure abgebaut wurde. Butter und länger gereifte Käsesorten sind aufgrund der Herstellungsweise fast laktosefrei. Jedoch kann Laktose als Milch, Milchpulver, Molke oder Molkenpulver in folgenden Lebensmitteln enthalten sein:

  • Backwaren
  • Wurstwaren
  • Süßigkeiten
  • Fertiggerichte
  • Arzneimittel (im Überzug von Tabletten)

Nährstoffzufuhr sichern

Milch und Milchprodukte sind wichtige Lieferanten von Kalzium, Jod, Eiweiß, und B-Vitaminen. Allerdings sind diese Nährstoffe auch in anderen Lebensmitteln enthalten. So liefern beispielsweise bestimmte Gemüsearten wie Brokkoli, Spinat, Grünkohl und Lauch relativ viel Kalzium. Um den Tagesbedarf eines Erwachsenen von 1000 mg zu decken, sind aber fast zwei Kilogramm Brokkoli nötig. Zudem kann der Körper das Kalzium aus Gemüse nicht so gut verwerten wie beispielsweise aus Mineralwasser.

Tipp: Trinken Sie kalziumreiches Mineralwasser. Ab 150 mg Kalzium pro Liter darf Mineralwasser als kalziumhaltig gekennzeichnet werden. Setzen Sie die oben genannten Gemüsearten regelmäßig auf Ihren Speiseplan, denn auch sie tragen zur Bedarfsdeckung bei.

Quellen:

Brockhaus Ernährung (4. Auflage), F.A. Brockhaus, Mannheim 2011

Ernährungsumschau 3/10: Laktoseintoleranz

Rhw management 12/09: Wenn man Milch und Ei nicht verträgt

UGB-Forum 2/10: Wenn Milch Bauchschmerzen macht

DAAB: Laktose-Intoleranz; http://www.daab.de/ernaehrung/laktose-intoleranz/

DAAB: Kuhmilch-Allergie; http://www.daab.de/ernaehrung/kuhmilch-allergie/

BZgA: Interview mit Frau Lämmel (DAAB): Ernährung bei einer Kuhmilchallergie; https://www.kindergesundheit-info.de/themen/risiken-vorbeugen/allergien/lebensmittelallergien/kuhmilchallergie/



Autorin: Sarah Bachmann, Dr. Claudia Müller
Bildautorin: Friederike Wörhlin

Bo 04/2017

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