Service-Navigation

Suchfunktion

Säuglinge
  • 22.10.2015

Vegetarisch oder vegan im ersten Lebensjahr?

Mit einem abwechslungsreichen Speiseplan mit pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln ist es am einfachsten, Kinder gesund zu ernähren. Möchten die Eltern auf tierische Lebensmittel ganz oder teilweise verzichten, helfen diese praktischen Tipps, Nährstoffmängel zu verhüten.



Vegetarische und vegane Kostformen sind derzeit sehr aktuell und viele Frauen möchten auf Fleisch oder andere tierische Lebensmittel auch bei ihren kleinen Kindern verzichten. Mit einer überwiegend pflanzlich ausgerichteten Ernährung, die geringe Mengen an Fleisch und andere tierische Lebensmittel einschließt, ist es am einfachsten möglich, sich mit allen Nährstoffen optimal zu versorgen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät für Säuglinge und Kleinkinder von einer rein pflanzlichen Ernährung ab, denn je mehr Einschränkungen eine Kostform beinhaltet, desto größer ist die Gefahr, dass Nährstoffmangelzustände mit unter Umständen dauerhaften Schäden entstehen. Besonders sehr kleine Kinder sind gefährdet. Doch grundsätzlich können Kinder auch gesund aufwachsen und haben keine Beeinträchtigungen beim Wachstum und ihrer Entwicklung zu befürchten, wenn nur auf Fleisch verzichtet wird.

Stillen als Grundlage

Mit Muttermilch in den ersten vier bis sechs Monaten – möglichst ohne Zufütterung – ist das Baby optimal versorgt. Pre- oder 1-Nahrung ist der Ersatz, falls Stillen nicht möglich sein sollte. Auch nach der Einführung der Beikost zwischen dem 5. und 7. Monat ist begleitendes Stillen (oder die Pre-Nahrung) im ersten Jahr empfehlenswert, bei veganer Ernährung der Mutter auch noch ein weiteres Jahr. Besonders wichtig für Veganerinnen ist eine ausgewogene Ernährung in der Stillzeit und Vitamin B12 als Nahrungsergänzungsmittel, denn das Vitamin ist nur in tierischen Lebensmitteln enthalten. Veganerinnen geben sonst ihren Vitaminmangel an das werdende Kind weiter. Leinöl, das mit DHA (= Docosahexaensäure, einer Omega-3-Fettsäure) angereichert ist, verhindert eine Unterversorgung der Mutter mit Omega-3-Fettsäuren. Empfehlenswert für die Gesundheit von Mutter und Kind ist eine Ernährungsberatung.

Vegetarische Beikost

Beikost sollte nicht vor dem Beginn des fünften Monats und nicht später als zu Beginn des siebten Lebensmonats eingeführt werden. Der Ernährungsplan des Forschungsinstituts für Kinderernährung bleibt auch beim Verzicht auf Fleisch die Grundlage. Der erste Brei besteht aus Gemüse-Kartoffel-Mus, in dem Hafer- oder Hirseflocken statt Fleisch kurz mitgekocht werden. Mit DHA angereichertes Leinöl ersetzt das sonst empfohlene Rapsöl. Gelegentlich kann auch ein halbes hartgekochtes oder pochiertes Ei zugefügt werden.

Als zweiter Brei steht der Getreide-Obst-Brei mit frischem Obst, Hafer- oder Hirseflocken für den Nachmittag auf dem Speiseplan. Abends sind die Kleinen oft zu müde und freuen sich auf Muttermilch oder die Flasche. Deshalb kann der Milch-Getreidebrei als dritter Brei am Abend eingeführt werden, wenn den Kinder das Breiessen schon vertrauter ist.

Vegane Beikost

Auch beim völligen Verzicht auf tierische Lebensmittel können die Eltern mit dem Gemüse-Kartoffel-Mus starten. Angereichert wird er mit DHA-Leinöl und eiweißreichen Lebensmitteln wie Hafer-oder Hirseflocken. Auch rote Linsen sind eine gute Alternative. Zur Sicherung der Jodzufuhr kann man gelegentlich ein kleines Stückchen Nori-Algen abschneiden und dazugeben. Nori-Algen sind die dunklen Blätter, die von Sushirollen bekannt sind.

Der Getreide-Obst-Brei für die vegane Ernährung bleibt gegenüber dem der vegetarischen Ernährung unverändert. Im Getreidebrei am Abend ersetzen Veganer die Milch durch Calcium-angereicherte Getreidedrinks oder Säuglingsnahrung auf Sojabasis. Zur Energieanreicherung eignen sich helles Mandelmus, das aus geschälten blanchierten Mandeln hergestellt wird, sowie Mus aus Cashew-Nüssen.

Wichtig: Zusätzlich ist auf jeden Fall eine ergänzende Gabe von Vitamin B12 nötig, um Schäden des Nervensystems zu verhindern.

Der Zeitpunkt für die Einführung der Beikost richtet sich grundsätzlich nach dem Entwicklungsstand des Kindes und nicht nach starren Zeitplänen. Auch Eltern müssen bereit sein für die Beikost, denn sie bedeutet immer ein Stückchen Loslassen.



Autorinnen: Andrea Engelhard, Monika Radke, MLR

Schu 10/2015


Quellen:
  • Edith Gätjen, Vortrag bei der Tagung "Gutes Essen für die Kleinen" des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, 15.10.2015
  • Stiftung Kindergesundheit, www.kindergesundheit.de  (abgerufen am 25.9.2014)

Fußleiste