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  • 06.04.2017
verschiedene Hülsenfrüchte in Schälchen

Hülsenfrüchte: Die Eiweißlieferanten der Zukunft

Gerichte mit Erbsen, Bohnen, Lupinen oder Linsen galten lange Jahre als Arme-Leute-Essen, das man zum schnellen Sattmachen auf den bäuerlichen Tisch brachte. „Zu Unrecht” meinten Wissenschaftler auf dem DGE-Forum am 16. März in Stuttgart-Hohenheim und berichteten von positiven Initiativen, um den Anbau an regionalen Leguminosen zu fördern. Der Grund: In Hülsenfrüchten stecken viele wertvolle Inhaltsstoffe, die einen weit größeren Beitrag zur gesunden Ernährung leisten als man bislang annahm.

Gesunde Sattmacher

Die 730 Gattungen an Hülsenfrüchten, die es weltweit gibt, liefern wertvolle Eiweißstoffe für den Organismus und gelten als lang anhaltende Sattmacher. „Ihr hoher Ballaststoffgehalt fördert nicht nur eine gute Verdauung, er unterstützt auch ein gesundes "Darmklima", die sogenannte Mikrobiota,” informierte Dr. Daniela Graf vom Max-Rubner-Institut in Karlsruhe in ihrem Vortrag. Und mehr noch: Hülsenfrüchte leisten einen Beitrag zur Prophylaxe bei Darmkrebs. Verantwortlich für diese positive Wirkung sind die kurzkettigen Fettsäuren, die bei der Verstoffwechslung von Ballaststoffen entstehen.

Wie viele andere pflanzlichen Produkte haben Hülsenfrüchte ein großes Spektrum an sekundären Pflanzenstoffen, allen voran Flavonoide, Saponine und Carotinoide. Diese sorgen zusammen mit Zink, Eisen und Calcium, sowie einem guten Fettsäuremuster, für einen positiven Einfluss auf die Gesundheit. So sollen Hülsenfrüchte nicht nur die Blutfette positiv beeinflussen, sondern auch den Blutzucker senken. All diese Faktoren wirken unterstützend bei der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoporose.

Trotz ihrer ernährungsphysiologisch positiven Inhaltsstoffe, ist die Nachfrage nach Hülsenfrüchten derzeit noch verhalten. Wissenschaftler führen dies auf den herben Geschmack und das "verstaubte" Image der Produkte und Gerichte zurück. Gerade Veganer, die vollkommen auf tierisches Eiweiß verzichten, sind aber auf diese pflanzlichen Eiweißlieferanten angewiesen. Denn 40 Prozent der weiblichen Veganer und 31 Prozent der männlichen Veganer erreichen ihre empfohlene tägliche Eiweißration nicht. Dr. Markus Keller sprach hier von einem ernst zu nehmendem Defizit. Für diese Personengruppe wären Hülsenfrüchte eine hervorragende Alternative zu Fleisch.

Eiweiß-Initiative Baden-Württemberg

Um den heimischen Anbau an Hülsenfrüchten voranzutreiben, gibt es seit 2012 in mehreren Bundesländern die sogenannte Eiweiß-Initiative. In Baden-Württemberg bietet das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Interessierten Informationen im Internet unter www.eiweiss-initiative-bw.de. Die Ziele dieser Initiative sind vielfältig: Landwirte sollen Hülsenfrüchte wieder als natürliche Stickstoff-Dünger schätzen lernen. Die Artenvielfalt soll vorangetrieben werden. Mit dem Anbau an heimischem Soja für Futtermittel könnte in Zukunft die Einfuhren aus dem Ausland reduziert werden. Und schließlich wünscht man sich von Seiten der Industrie neue Produkte, die dem modernem Zeitgeist entsprechen.

Die ersten Zahlen zeigen bereits eine Veränderung: Seit der Einführung der Eiweiß-Initiative 2012 ist der Anbau an Leguminosen bereits um 30 Prozent gestiegen. Noch liegt der Pro-Kopf-Verbrauch an Leguminosen gerade einmal bei 600 Gramm im Jahr. Dieser war im Jahre 1850 bei satten 20 Kilogramm. Zu diesem Zeitpunkt begnügten sich die Bundesbürger allerdings noch mit 15 Kilogramm Fleisch pro Jahr. Heute liegt der Pro-Kopf-Verbrauch im Jahr viermal so hoch.



Autor und Bildautor: Maria Hufnagl



Bo 04/17

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