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Nachgefragt
  • 08.03.2012

Ist der BMI noch zeitgemäß?

Personenwaage und Maßband

Mit dem Body Mass Index (BMI) lässt sich schnell das eigene Körpergewicht einschätzen. Doch wie sieht es mit dem damit verbundenen Krankheitsrisiko aus? Experten stellen schon seit langem die Aussagekraft des BMI in Frage und fordern eine genauere Methode, die vor allem die Verteilung des Körperfetts besser berücksichtigt.

Was sagt der BMI aus?

Der BMI – auch Körpermassenindex genannt – ist eine Maßzahl für die Bewertung des Körpergewichts in Relation zur Körpergröße. Zur Berechnung wird dabei folgende Formel verwendet:

BMI = Gewicht in kg/(Körpergröße in m  x  Körpergröße in m)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat definiert, wann ein Mensch unter-, normal- oder übergewichtig ist (siehe Tabelle).

Einteilung des Gewichts anhand des BMI bei Erwachsenen

Kategorie

BMI

Risiko für Begleiterkrankungen

Untergewicht

<18,5

niedrig

Normalgewicht

18,5 - 24,9

durchschnittlich

Übergewicht
Präadipositas
Adipositas Grad I
Adipositas Grad II
Adipositas Grad III

≥ 25,0
25 - 29,9
30 - 34,9
35 - 39,9
≥ 40


gering erhöht
erhöht
hoch
sehr hoch

Quelle: WHO (2000)


Der BMI ist beliebt, weil er einfach zu berechnen ist. Allerdings gibt dieser Parameter nicht wider, wie sich die Körpermasse zusammensetzt. Doch gerade die Zusammensetzung ist wichtig, um Krankheitsrisiken zu beurteilen. Das gilt vor allem für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. So erhöht besonders das Bauchfett das Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt, da dieses Fettdepot sehr stoffwechselaktiv ist. Der BMI legt jedoch nur das Gewicht insgesamt zu Grunde, egal, ob es durch Hüftfett, Bauchfett oder vielleicht sogar durch Muskelmasse zustande kommt. Der Anteil des Bauchfetts kann bei Menschen mit gleichem BMI aber stark schwanken.

Die Wissenschaft stellt den BMI in Frage

Ergebnisse einer aktuellen Auswertung mehrerer Studien zeigen, dass nach dem BMI definiertes Übergewicht kein Maß für das gesundheitliche Risiko ist. Im Gegenteil: Die amerikanische Wissenschaftlerin Kathrine Flegal und ihr Team haben festgestellt, dass Übergewichtige (BMI 25-29) gegenüber den Normalgewichtigen (BMI <25) ein um sechs Prozent vermindertes Sterberisiko haben, Menschen mit leichter Fettsucht (Grad I, BMI 30-35) ein um fünf Prozent verringerte Sterblichkeit. Bei Grad II und III steigt dann das Sterberisiko und zwar auf 29 Prozent. Extrem fettleibige Menschen sind unzweifelhaft in Gefahr, das bestreiten auch die Forscher nicht.

Gibt es aussagekräftigere Methoden als den BMI?

Waist-hip-Ratio

Eine Alternative zum BMI bietet die Berechnung des Taille-Hüfte-Quotienten, dem sogenannten Waist-to-hip ratio, der das Fettverteilungsmuster mit berücksichtigt. Der Quotient berechnet sich nach der Formel WHR = Taillenumfang in cm/Hüftumfang in cm. Er sollte laut WHO für Männer unter 1 und für Frauen unter 0,85 liegen.
Man unterscheidet bei der Fettverteilung die abdominale, stammbetonte Form (sogenannte "Apfelform") und die gluteal-femorale, hüftbetonte Form (sogenannte "Birnenform"). Während die „Apfelform“ durch eine Fettvermehrung im Bauchbereich gekennzeichnet ist, die vorwiegend bei Männern zu beobachten ist, kommt bei Frauen meistens die „Birnenform“ vor. Hier ist eine Vermehrung des Fettgewebes im Gesäß-, Hüft- und Oberschenkelbereich charakteristisch. Beim Birnentyp ist der Hüftumfang größer als der Taillenumfang, beim Apfeltyp ist es genau umgekehrt. Die Apfelform ist im Zusammenhang mit dem kardiovaskulären Krankheitsrisiko weitaus ungünstiger ist als die Birnenform.

Taillenumfang

Als Maß der stammbetonten Adipositas wird ausschließlich der Taillenumfang eingesetzt. Auch hier legt die WHO Grenzwerte fest. Für Frauen sind dies maximal 88 cm und für Männer maximal 102 cm. Bei höheren Werten nimmt das Risiko für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauferkrankungen deutlich zu. Laut WHO steigt die Gefahr aber bereits ab 80 cm (Frauen) und 94 cm Umfang (Männer).

Waist to height

Ein weiterer Wert zur Ermittlung der idealen Körpermaße stellt der Waist-to-Height-Ratio (WhtR) dar. Anders als beim BMI wird beim WhtR nicht das Körpergewicht, sondern der Taillenumfang zur Körpergröße ins Verhältnis gesetzt (WHtR = Taillenumfang in cm/Körpergröße in cm). Einer Studie der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität zufolge ist der WHtR als Index besser für die Bewertung von gesundheitlichen Risiken geeignet, da hier genauere Rückschlüsse auf den gesundheitlich bedenklichen Bauchfettanteil gezogen werden können.
Der WHtR hat gegenüber dem WHR den Vorteil, dass die Körpergröße bei Erwachsenen allgemein bekannt ist und sich kaum ändert, also braucht man nur den Bauchumfang zu messen. Da Umfangmessungen oft ungenauer als Längenmessungen sind, hat der WHtR eine Fehlerquelle weniger als der WHR.

BMI und Taillenumfang – eine gute Kombination

Letztlich sollte der BMI nicht das einzige Maß für das Gewicht sein. Um das Sterberisiko zu berücksichtigen, sind auch andere Parameter bedeutend, vor allem das als Risikofaktor geltende Bauchfett, das man nur durch Messung des Bauchumfangs ermittelt. Für Personen mit einem BMI ≥ 25 ist es daher sinnvoll, zusätzlich den Taillenumfang zu messen.


Quellen:

Autorin: Dr. Claudia Müller
Bildautorin: Friederike Wöhrlin

Hil 03/12

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