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  • 10.05.2012

Mediterrane Küche – wirklich so gut wie ihr Ruf?

Zutaten der mediterranen Küche

Die mediterrane Kost steht für eine gesunde Ernährung. Sie basiert auf einer Lebensmittelauswahl und -zubereitung, wie sie die Landbevölkerung in den 50er und 60er Jahren, insbesondere auf Kreta und im mittleren sowie südlichen Italien, praktizierte. Doch ernähren sich die Südländer heute auch noch so?

Welche Besonderheiten hat die mediterrane Ernährung?

Eine einheitliche mediterrane Kost gibt es nicht, da die Ernährungsgewohnheiten in den verschiedenen Mittelmeerländern und auch innerhalb einzelner Regionen sehr stark variieren. Charakteristisch ist jedoch ein hoher Anteil an pflanzlichen Produkten und die Vielfalt der ausgewählten Lebensmittel.

Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Getreideprodukte und Kartoffeln sind die Hauptbestandteile der mediterranen Küche. Auch Milchprodukte wie Feta, Mozzarella und Joghurt haben eine große Bedeutung. Hauptlieferant für Fett ist das Olivenöl. Weitere Lebensmittel auf dem Speisenplan sind Fisch, Geflügel und Eier sowie Rotwein in Maßen (1 Glas), der bevorzugt zur Mahlzeit getrunken wird. Rotes Fleisch (Rind, Lamm, Schwein) und Wurstwaren werden eher selten verzehrt. Nüsse, Kerne und Samen ergänzen die Kost.

„Mediterran“ steht gleichzeitig aber auch für einen besonderen Lebensstil, nämlich für körperliche Arbeit, Zeiten der Muße (Siesta), familiäre und andere soziale Kontakte, eine genussvolle und ausgeglichene Lebensweise also.

Warum gilt die mediterrane Küche als gesundheitsfördernd?

Insgesamt ist die mediterrane Küche reich an Kohlenhydraten und Ballaststoffen. Die Gesamtfettzufuhr ist zwar mit 35 Energieprozent vergleichsweise hoch, doch es werden weniger gesättigte, dafür viele einfach (Ölsäure) und mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren) aufgenommen. Weitere positive Kennzeichen sind der hohe Gehalt an Vitaminen, darunter Vitamin E, C, β-Carotin und Folsäure, an Mineralstoffen wie Kalium, Jod und Magnesium sowie an sekundären Pflanzenstoffen.

Hinzu kommt, dass die meisten Lebensmittel aus der Region stammen, entsprechend der Saison ausgewählt und zubereitet werden und nur wenig verarbeitet sind.

Wer sich also an den Empfehlungen der mediterranen Ernährungsweise orientiert, ernährt sich automatisch kalorien-, fett- und cholesterinbewusst bei gleichzeitig reichlicher Nährstoffzufuhr. Ihren gesundheitsfördernden Effekt belegen verschiedene Studien. Sie wirkt vorbeugend im Hinblick auf:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Diabetes mellitus Typ 2
  • Krebserkrankungen

Sind die Menschen im Mittelmeerraum wirklich gesünder?

Seit den 60er-Jahren haben politische und wirtschaftliche Entwicklungen die Lebens- und Ernährungsgewohnheiten auch im Mittelmeerraum gravierend verändert: Geringere körperliche Aktivität, weniger Zeit für die Nahrungszubereitung und damit einhergehend mehr Convenience-Produkte und Fast-Food sind die Folgen dieses Wandels.

Dadurch sind heute auch in den Mittelmeerländern immer mehr Menschen übergewichtig.
Daten aus den Jahren 2008/2009 belegen, dass in Griechenland 17,6 % der erwachsenen Bevölkerung adipös, das heißt stark übergewichtig, sind. Im Vergleich dazu liegt der Anteil der adipösen Erwachsenen in Deutschland mit 15,6 % sogar niedriger. In Spanien und Zypern sind die Zahlen ähnlich hoch wie hierzulande. Das Risiko für Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 oder Herz-Kreislaufbeschwerden steigt damit auch für die Menschen am Mittelmeer.

In den einzelnen Ländern bestehen allerdings regionale Unterschiede. So wird in den ländlichen Gebieten die traditionelle mediterrane Küche noch häufiger praktiziert als in den Städten. Je höher der soziale Status und je stärker die Region industrialisiert ist, desto mehr weicht die Ernährung vom ursprünglichen mediterranen Muster ab.

Prinzipiell gesund – aber eher ein Mythos

Generell ist traditionelle mediterrane Ernährungsweise gesundheitsfördernd und empfehlenswert. Vergleicht man sie mit der derzeit vorherrschende Kost in der Mittelmeerregion, ist sie als Folge der Überflussgesellschaft eher ein Mythos. Denn heutzutage genießen die Menschen vieler Mittelmeerländer im Hinblick auf ihre Ernährung keine nennenswerten Vorteile mehr gegenüber der Bevölkerung in Nord- und Mitteleuropa.


Quellen:

Autorin: Dr. Claudia Müller, Bonn
Bildautorin: Friederike Wöhrlin

Hil 05/12

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