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Zucker & Süßwaren
  • 03.04.2014

Trendsetter auf der Zutatenliste: Zuckersirup

Getränkeregal im Supermarkt

Statt „Zucker” steht auf Zutatenlisten immer häufiger „Glucose-Fructose-Sirup” oder „Maissirup”. Der Grund: Dieser Sirup ist preiswert und lässt sich in der Industrie leicht und schnell verarbeiten. Ernährungsexperten sind jedoch besorgt: Softdrinks oder Fruchtzubereitungen mit Glucose-Fructose-Sirup fördern Diabetes und Übergewicht – und dies bereits bei Kindern!

Zucker ist nicht gleich Zucker. Manchmal ist er als „Zucker” oder als „Saccharose” auf der Zutatenliste zu erkennen. Zunehmend versteckt er sich hinter Begriffen, wie Isoglucose, Maissirup oder Glucose-Fructose-Sirup, die das Gleiche meinen. Vor allem auf Zutatenlisten von gesüßten Getränken und Fertiggerichten sind sie zu finden. Je nach Rezeptur wird ein Teil des Zuckers durch den preiswerten Sirup ersetzt, manchmal werden Lebensmittel komplett mit Sirup gesüßt.

Das vermeintlich gute Image von Fructose

Glucose ist Traubenzucker. Fructose oder Fruchtzucker kennen viele Verbraucher noch von der Zeit der Diätprodukte. Dadurch hat gerade dieser Zucker durchaus ein positives Image. Noch vor wenigen Jahren wurde Fructose Diabetikern als Zuckerersatz empfohlen. Mittlerweile weiß man, dass Fructose eine Insulinresistenz begünstigt und eine Diabeteserkrankung eher fördert als verhindert. In Sirupform und auch als Kombination mit Glucose ist die Wirkung von Fructose nicht besser. Prof. Dr. Stephan Bischoff, Ernährungsmediziner an der Universität Hohenheim, äußerte sich auf einer Tagung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung Baden-Württemberg in Stuttgart-Hohenheim kürzlich äußerst kritisch zu Zuckersirup. Inzwischen sei für ihn der Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und Übergewicht deutlich erkennbar.

Insbesondere Fructose begünstige eine Verfettung der Leber. Die Leberverfettung wiederum ist ein frühzeitiges Indiz für weitere Folgekrankheiten wie Übergewicht, schlechte Blutfettwerte, Diabetes und Bluthochdruck. Bischoff sagte dazu: „In der Vergangenheit sind wir vielleicht zu sorglos mit dem Zuckerkonsum umgegangen. Jetzt sehen wir deutliche Zusammenhänge mit Krankheiten.” Gerade der hohe Konsum von gesüßten Getränken bei Kindern und Jugendlichen sei besorgniserregend. Gesüßte Eistees, Cola-Getränke und viele andere bunte und süße Getränke sind für Jugendliche wohl bedenklicher, als bisher angenommen.

Zuckersirup bleibt preiswert

Betrachtet man die Entwicklung des Zuckerkonsums der letzten 30 Jahre, so stellt man fest, dass sich dieser verdoppelt hat. Ausschlaggebend ist die industrielle Verarbeitung. Die Lebensmittelhersteller verwenden Zuckerprodukte nicht nur zum Süßen, sondern auch zur Wasserbindung. In Zukunft, so die Meinung der Experten, wird der Verbrauch von Zuckerprodukten noch weiter steigen. Zucker selbst wird in den nächsten Jahren immer weniger nachgefragt werden. Dagegen wird die Industrie noch mehr auf den preiswerten Zuckersirup umsteigen. Ein Grund dafür ist der Fall der Zuckermarkt-Ordnung 2017. Man geht davon aus, dass herkömmlicher Zucker dann für die Industrie zu teuer werden wird. Deshalb rüsten heute Hersteller bereits auf eine Produktion mit Zuckersirup um und verwenden diesen noch häufiger. Glucose-Fructose-Sirup wird enzymatisch und günstig aus Mais hergestellt. Die Folgen für die Gesundheit sind bereits absehbar.

Quelle: DGE-Fachtagung zum Thema Süßungsmittel, 20. März 2014, Universität Hohenheim

Autorin: Maria Hufnagl
Bildautorin: Anja Meyer

Hil 04/14

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