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Milch, Milchprodukte
  • 21.02.2013

Vorbehalte rund um die Milch

Milch_F. Wöhrlin

Milch ist in unserer täglichen Ernährung ein wichtiges Lebensmittel. Doch immer wieder gibt es Empfehlungen Milch zu meiden, da sie zur Verschleimung führen, die Bildungen von Nierensteinen begünstigen und für Erwachsene nicht verträglich sein soll.
Was ist dran an diesen Vorbehalten?

Führt der Konsum von Milch zu einer Verschleimung von Darm und Atemwegen?

Die Vorstellung, dass Milch den Darm oder die Atemwege verschleimt, ist weit verbreitet. Wissenschaftlich bewiesen ist diese Meinung jedoch nicht! Im Gegenteil: Studien haben gezeigt, dass es weder bei gesunden Personen noch bei Personen, die mit Schnupfenviren infiziert waren, zu einer vermehrten Schleimbildung nach Milchverzehr kam. Eine Erklärung für die Behauptung, dass Milch zu Verschleimung führt, ist möglicherweise die Tatsache, dass der in der Milch enthaltene Milchzucker während der Verdauung zu Glukose, also Traubenzucker, und Galaktose abgebaut wird. Galaktose wird im Volksmund auch Schleimzucker genannt. Die Bezeichnung Schleimzucker könnte in diesem Zusammenhang zur Entstehung des Gerüchts geführt haben. Ein weiterer Grund könnte sein, dass Milch im Vergleich zu Wasser dickflüssiger ist und deswegen subjektiv das Gefühl der Schleimbildung vermitteln kann.

Führt der Milchkonsum zu einer verstärkten Bildung von Nierensteinen?

Milch ist ein wertvoller Calciumlieferant. Nierensteine bestehen zu etwa 75-80% aus Calciumsalzen. Das lässt vermuten, dass Personen, die Milch trinken und damit Calcium aufnehmen, ein erhöhtes Risiko für Nierensteine haben. Bislang konnte jedoch nicht belegt werden, dass eine ausreichende Calciumaufnahme die Nierensteinbildung fördert. Eine Zufuhr von 1000 mg Calcium pro Tag, wie sie derzeit die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, sollte allerdings nicht wesentlich über- oder unterschritten werden. Sowohl eine Unter- als auch eine Überversorgung mit Calcium kann sich ungünstig auf die Bildung von Nierensteinen auswirken.
Ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von Nierensteinen ist Oxalsäure, die der Körper selbst bildet und mit der Nahrung aufnimmt z. B. mit Spinat, Mangold und Rhabarber. Calcium ist in der Lage, Oxalsäure im Körper zu binden. Der Mineralstoff bildet mit Oxalsäure bereits im Darm einen unlöslichen Komplex, der unverändert ausgeschieden wird und somit gar nicht erst die Nieren erreicht. Bei einer unzureichenden Calciumaufnahme von weniger als 500 mg pro Tag wird nur wenig Oxalsäure durch Calcium gebunden, so dass die Säure resorbiert und die Entstehung von Nierensteinen begünstigt wird. Deshalb ist eine ausreichende Calciumzufuhr, zu der Milch und Milchprodukte einen wesentlichen Beitrag leisten, zur Vorbeugung und auch Behandlung von Nierensteinen von Bedeutung.
Um das Risiko der Bildung von Nierensteinen möglichst gering zu halten, ist zudem ausreichendes Trinken eine wichtige Maßnahme. Zur Verdünnung des Harns werden 2,5 bis 3 l pro Tag empfohlen. Am besten eignen sich Kräuter- und Früchtetees, mineralstoffarme Mineralwässer, Apfelsaft (-schorle) und Leitungswasser. Auch eine ausgewogene Ernährung und die Vermeidung von Übergewicht verringern das Risiko von Nierensteinen.

Warum brauchen Asiaten und Afrikaner keine Milch und bekommen trotzdem keine Osteoporose?

In Asien und Afrika stehen Milch und Milchprodukte traditionell bedingt nur selten auf dem Speiseplan, denn viele Menschen haben dort keine Kühlmöglichkeiten. Als gute Calciumquelle dienen in diesen Ländern andere Lebensmittel wie Sojaprodukte, Sesam, Blattgemüse oder kleine Fische. Sie werden in ausreichenden Mengen verzehrt, so dass eine ausreichende Calciumversorgung gewährleistet ist.
Osteoporose ist eine Knochenerkrankung, die mit einem Calciummangel in Zusammenhang steht. Bei der Entstehung spielen jedoch auch andere Faktoren wie die genetische Veranlagung, Hormonversorgung oder die körperliche Aktivität und das Alter eine Rolle. Im Gegensatz zu Europäern oder Nordamerikanern sind die Menschen in Afrika oder Asien körperlich wesentlich aktiver und mehr im Freien tätig. Die Muskelarbeit und die Bildung von Vitamin D in der Haut durch die Sonneneinstrahlung helfen, Osteoporose wirksam vorzubeugen. Die zunehmende Technisierung in den asiatischen Ländern führt allerdings dazu, dass auch dort die Häufigkeit von Osteoporose in den letzten Jahren zunimmt.
Wer sein Osteoporoserisiko senken will, sollte auf eine ausreichende Calciumzufuhr achten, körperlich aktiv sein und sich möglichst viel im Freien aufhalten.

Vertragen Erwachsene keine Milch?

Es besteht kein Grund zu der Annahme, dass Milch von Erwachsenen nicht vertragen wird. Im Gegenteil: Mit Hilfe verschiedener Enzyme aus Magen, Bauchspeicheldrüse und Darmschleimhaut wird die Milch beim gesunden Erwachsenen vollständig abgebaut. Anders verhält es sich bei der sogenannten Laktoseintoleranz. Den betroffenen Personen fehlt das Enzym Laktase, das für die Spaltung des Milchzuckers im Darm benötigt wird. In Deutschland leiden rund10-15% der Bevölkerung an der Milchzuckerunverträglichkeit. Mit zunehmendem Alter kann sich die Laktaseaktivität allerdings verringern. In dem Fall vertragen Erwachsene meist nur geringe Mengen an Milch. Sie haben aber mit gesäuerten Milchprodukten, wie Joghurt, Buttermilch und Quark, sowie Käsesorten wie Bergkäse, Emmentaler, Gouda, Edamer oder Appenzeller in der Regel keine Probleme.

Führt Milch zur Knochenerweichung?

Hintergrund dieser Frage ist der Zusammenhang zwischen der Calciumbilanz des Körpers und der Gesamteiweißzufuhr. Je mehr Eiweiß durch die Nahrung aufgenommen wird, desto höher sollte auch die Calciumaufnahme sein. Wird über einen längeren Zeitraum mehr Eiweiß aufgenommen als der Körper benötigt, z. B. bei Bodybuildern, kommt es zu einer vermehrten Calciumausscheidung über die Nieren. Der Körper setzt infolge Calcium aus dem Knochen frei, um ein Absinken des Calciumspiegels im Blut zu verhindern. Der in Milch enthaltene Eiweißbaustein L-Lysin steigert jedoch die Calciumaufnahme in den Darm und die Rückresorption in der Niere, so dass selbst bei hoher Eiweißzufuhr über Milchprodukte die Calciumversorgung gesichert ist und kein Calcium aus den Knochen freigesetzt werden muss.

Kann Calcium aus wärmebehandelter Milch vom Körper nicht verwertet werden?

Es macht für die Verwertbarkeit des Calciums keinen Unterschied, ob die Milch pasteurisiert oder ultrahocherhitzt, also wärmebehandelt wurde. Beim Erwärmen der Milch werden Calciumphosphat-Komplexe gebildet, die bei neutralem pH-Wert nur schwer löslich sind. Das ist jedoch kein Problem: Der pH-Wert des Magens ist sauer, so dass das Calcium aus dem Komplex wieder herausgelöst und absorbiert werden kann.

Begünstigt Calcium aus Milch die Entstehung von arteriosklerotischen Gefäßablagerungen?

Dass Milch reich an Calcium ist, heißt nicht, dass Milch kalkhaltig und der Verzehr somit zur Arterienverkalkung, auch Arteriosklerose genannt, führt. Die Entstehung von Arteriosklerose hängt von vielen verschiedenen Ursachen ab. Wichtige Risikofaktoren sind unter anderem Übergewicht, erhöhte Blutfettwerte, Rauchen und Stress.


Quellen:

  • aid infodienst: Milch und Milcherzeugnisse. 18. Aufl., Bestellnr. 1008, Bonn 2009
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. 4. Aufl., Umschau Verlag, Neustadt an der Weinstraße 2012
  • Leitzmann C et al.: Ernährung in Prävention und Therapie. 3. Aufl., Hippokrates Verlag, Stuttgart 2009
  • Siener R: Ernährungstherapie der Urolithiasis. Ernährung im Fokus 9-10/12, 374-377, 2012

Autorin: Dr. Claudia Müller
Bildautorin: Friederike Wöhrlin

 

Eh 02/13

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