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  • 06.12.2018
Ernährungs-Apps

Ernährungs-Apps - worauf ist zu achten  

Ernährungs-Apps gibt es inzwischen viele. Sie zählen die Kalorien, die man täglich aufnimmt, helfen beim Einkauf oder liefern eine unüberschaubare Fülle an unterschiedlichen Rezepten. Sind sie wirklich hilfreich? Was macht eine gute Ernährungs-App aus?

Etwa sieben von zehn Personen in Deutschland nutzen ein Smartphone. Für knapp 90 Prozent ist es aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken und fast die Hälfte verwendet Gesundheits-Apps. Entsprechend groß ist mittlerweile das Angebot dieser Applikationen und speziell auch von solchen, die sich mit dem Thema Ernährung befassen. Die Funktionen dieser Apps sind sehr vielfältig und reichen vom Führen von Ernährungsprotokollen bis hin zu konkreten Ernährungsempfehlungen. Thematisch besonders beliebt sind Ernährungs-Apps, die darauf abzielen, dass der Nutzer sein Körpergewicht reduziert, ausreichend Wasser trinkt und ihn bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten unterstützt.

Zwischen Wunsch und Realität

Nutzer wünschen sich vor allem, dass Ernährungs-Apps transparent, individuell, intuitiv und schnell bedienbar sind. Sie sollen motivieren, anleiten und einen greifbaren Output bieten und auch bei vielen Funktionen kostenfrei erhältlich sein. Das zeigen Ergebnisse einer Studie, in der junge Erwachsene diese mobilen Helfer testeten. Ob sich mit den Angeboten diese Ziele tatsächlich erreichen lassen und die Informationen unabhängig, richtig und aktuell sowie relevant sind, lässt sich jedoch nur schwer einschätzen. Eine Untersuchung von drei Apps mit dem Ziel der Gewichtsreduktion und gesunder Ernährung zeigt beispielsweise, dass die Nährwerte von Lebensmitteln nicht exakt und zuverlässig errechnet wurden und von den Referenzwerten abwichen, zum Teil um mehr als 50 Prozent. Doch auch wenn die Berechnungen nicht genau sind, geben sie dennoch eine Orientierung und helfen, sich selbst zu beobachten.

Inwieweit Ernährungs-Apps dem Anwender tatsächlich zu einer Gewichtsabnahme verhelfen, untersuchen nur wenige Studien, die zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen: In manchen verloren die Nutzer durch die Verwendung von Apps mehr Gewicht und die Abbruchrate lag niedriger. In anderen Untersuchungen zeigten sich keine positiven Effekte. Ein weiterer Aspekt kommt hinzu: Die Applikationen werden zwar oft installiert, aber nicht aktiv über einen längeren Zeitraum genutzt.

Kommerzielle Anbieter oder unabhängige Institution

Zum Teil bietet die Qualität der gebotenen Informationen Anlass zur Kritik. Eine Analyse von Apps zur Gewichtsreduktion zeigte, dass diese mobilen Helfer zwar sehr gefragt sind, aber nicht unbedingt wissenschaftlich fundierte Inhalte vermitteln. Abgesehen von Institutionen wie zum Beispiel dem Bundeszentrum für Ernährung (BZfE), der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), Krankenkassen oder Verbraucherzentralen bieten auch Personen und Institutionen ohne entsprechende Sachkenntnis Ernährungs-Apps an. Meist haben sie ein kommerzielles Interesse. Einen Hinweis auf den möglichen Interessenskonflikt sucht der Nutzer in der Regel allerdings vergeblich.

Zur Bewertung und Evaluierung von Applikationen im Ernährungsbereich gibt es bisher kaum anerkannte und standardisierte Kriterien. Hier könnte in Zukunft zum Beispiel ein staatliches Qualitätssiegel helfen. Denn für den Nutzer ist es nicht einfach, sich bei dem vielfältigen Angebot an Apps für eine sinnvolle Hilfe zu entscheiden. Grundsätzlich kann jeder Applikationen entwickeln und im Netz anbieten.

Worauf der Anwender achten kann

Vor dem Download ist es hilfreich, wenn der Nutzer sich vor Augen führt, was er von der App erwartet. Dabei sollte ihm klar sein, dass die eine oder andere Anwendung zwar Ernährungsinformationen bietet, aber eine individuelle Beratung durch einen qualifizierten Ernährungsexperten nicht ersetzen kann. Der Gebrauch von Gesundheits-Apps speziell bei Erkrankungen sollte keinesfalls anstelle eines Arztbesuchs stehen. Das Eintragen sämtlicher Daten über Körpermaße, Essen und Trinken sowie Bewegung kann zudem zeitlich aufwendig sein. Demgegenüber ist der Output mancher App eher gering. Daher ist es hilfreich, den Nutzen der App im Vorfeld zu hinterfragen.

Im Hinblick auf den Datenschutz ist es wichtig, kritisch zu prüfen, welchem Datenzugriff man bei welchem Anbieter zustimmt. Hierbei hilft der Blick auf das Impressum, das ebenso wie die Datenschutzerklärung vorhanden sein muss.

Anerkannte Institutionen bieten am ehesten zuverlässige und wissenschaftlich abgesicherte Informationen. So manche kostenlose App wird von Unternehmen angeboten und enthält Werbung oder entsprechende Inhalte. Die Beurteilung von anderen Nutzern können zwar Hilfestellungen bei der Auswahl der jeweiligen App liefern. Allerdings können die Berichte auch gefälscht sein. Allein darauf verlassen sollte sich der Anwender nicht.

Keine Frage, Ernährungs-Apps machen Sinn, da sich der Nutzer mit der Thematik befasst und sich mit seinem Essverhalten auseinandersetzt. Der Anwender sollte sich vor dem Herunterladen überlegen, wofür er die Applikation benötigt, ob sie tatsächlich seine Erwartungen erfüllt und wer der Anbieter ist.

Quellen:

  • Holzmann SL, Pröll K, Hauner H, Holzapfel C: Ernährungs-Apps: Qualität und Limitationen. Eine explorative Erhebung anhand ausgewählter Beispiel-Apps. Ernährungs Umschau 5: 80-89 (2017)
  • IN FORM: Apps im Alltag – das sollten Sie beachten. (zuletzt abgerufen am: 03.12.2018)
  • Rode A, Lorkowski S, Dawczynski C, Brombach C: Ernährungs-Apps: Akzeptanz unter jungen Erwachsenen. Ernährungs Umschau 2: 36-43 (2017)
  • Rutz M, Dierks M-L: Gesundheitsapps und Ernährungsverhalten. Ergebnisse der Charismha-Studie. DGE/Info 10: 152-155 (2017)

Autorin: Dr. Claudia Müller
Foto: Fotolia

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